Stand: 22.03.201811.4. Versandhandel-Lieferungen an Endverbraucher/Nicht-Unternehmer

Prinzipiell gilt bei Lieferungen an Nichtunternehmer (z.B. Privatpersonen bzw. alle Kunden ohne UID-Nr.) innerhalb der EU das „Ursprungslandprinzip“. Das heißt, der Lieferant hat die Umsatzsteuer seines Landes zu verrechnen.

Bei Abholung durch den Nichtunternehmer kommt immer österreichische Umsatzsteuer zum Tragen. Es bestehen keine besonderen Aufzeichnungspflichten.

Bei der Beförderung oder Lieferung von Waren an Nichtunternehmer in einem anderen EU-Mitgliedstaat, stellt der österreichische Unternehmer bis zu einer jährlichen Lieferschwelle (s. Tabelle) grundsätzlich österreichische 20% UST in Rechnung.

Ausnahmen:
- der Erwerb neuer Fahrzeuge durch Private unterliegt immer der Erwerbsbesteuerung im Bestimmungsland (Fahrzeugeinzelbesteuerung). Innergemeinschaftliche Neufahrzeuglieferungen sind steuerfrei, unabhängig vom Status der Person des Liefernden und des Erwerbers (Unternehmer und Privatpersonen).

- für verbrauchsteuerpflichtige Waren gilt die Lieferschwelle nicht. VSt-pflichtige Waren, die Gegenstand einer innergemeinschaftlichen Versendung oder Beförderung sind, unterliegen stets der Besteuerung im Bestimmungsland.

Bei Überschreitung des Schwellenwertes ist der Unternehmer verpflichtet, den Steuersatz jenes Landes zu fakturieren, in welches die Ware verbracht wird. Als Konsequenz dieser Verpflichtung benötigt der österreichische Unternehmer eine steuerliche Registrierung beim Finanzamt in dem jeweiligen Mitgliedstaat.

Lieferschwellenwerte in den EU Mitgliedstaaten (Stand April 2017)

Mitgliedstaat

Lieferschwelle
Art 3 Abs. 3 USTG 1994
Art.  28b Teil B Abs. 2 der 6. EG-Richtlinie

Belgien

EURO     35.000

Dänemark

DKK      280.000

Deutschland

EURO    100.000

Finnland

EURO     35.000

Frankreich

EURO    100.000

Griechenland

EURO     35.000

Irland

EURO     35.000

Italien

EURO     35.000

Luxemburg

EURO    100.000

Niederlande

EURO    100.000

Österreich

EURO    35.000

Portugal

EURO     35.000

Schweden

SEK      320.000

Spanien

EURO     35.000

Vereinigtes Königreich

GBP        70.000

Bulgarien

BGN       70.000

Tschechische Republik

CZK    1.140.000

Estland

EURO     35.000

Lettland

EURO     35.000

Litauen

LTL       125.000

Malta

EURO     35.000

Polen

PLN       160.000

Slowakische Republik

EURO      35.000

Slowenien

EURO      35.000

Rumänien

RON      118.000

Ungarn

EURO    35.000

Zypern

EURO       35.000

Kroatien

HRK        270.000

 

Zu dem oben Gesagten besteht jedoch für den österreichischen Unternehmer die Option, aus Wettbewerbsgründen für Lieferungen auch unterhalb des Schwellenwertes abweichend von der allgemeinen Regel, die Umsatzsteuer des Bestimmungslandes zu verrechnen. Dies ist dann interessant, wenn der Steuersatz des Bestimmungslandes unter dem österreichischen Steuersatz liegt. Diese Vorgangsweise ist jedoch an bestimmte Meldefristen gegenüber dem Heimatfinanzamt gebunden (Musterschreiben für die Anmeldung s. Anlage D am Ende des Handbuchs) („Antrag gem. Art. 3 Abs. 6 UstG“) und für zwei Jahre bindend. Sie verlängert sich nach zwei Jahren automatisch, wenn sie nicht widerrufen wird. Bei Verrechnung der UST des Bestimmungslandes liefert man gewissermaßen von Österreich an seine eigene UID-Nummer in dem jeweiligen Mitgliedstaat innergemeinschaftlich steuerfrei und stellt dann dem Kunden eine Rechnung mit Ausweis der Umsatzsteuer des Bestimmungslandes aus.

Impressum | Administration