Stand: 01.11.20178.12. Bauabzugssteuer

Um die Schwarzarbeit im Baubereich einzudämmen, ist mit 1.1.2002 in Deutschland ein Gesetz in Kraft getreten, welches den Auftraggeber von Bauleistungen dazu verpflichtet, 15 % des vom leistenden Unternehmers in Rechnung gestellten Betrages abzuziehen und an das deutsche Finanzamt zu überweisen. Der Rechnungsleger bekommt auf Antrag und bei Nachweis der ordentlichen Unternehmereigenschaft den abgezogenen Betrag wieder erstattet. Dieses Prozedere des Abzuges bzw. Erstattung auf Antrag kann durch Vorlage einer Freistellungsbescheinigung vermieden werden. Unternehmer sollten daher bereits bei Auftragsannahme einer Bauleistung in Deutschland beim Finanzamt München II die Freistellungsbescheinigung beantragen  (s. Musterbrief und exemplarisch den Fragebogen des Finanzamtes als Anlage in Punkt 8.17. am Ende des Kapitels).

Als Grundlage für die Erteilung der Freistellungsbescheinigung ist eine Bestätigung des Heimatfinanzamtes über die Erfassung als Unternehmer vorzulegen. Vergleichen Sie hierzu die Anlage in Punkt 8.17. am Ende des Kapitels oder im Internet unter:
www.bmf.gv.at/ [Pfad: Formulare - zur Formulardatenbank – Formular  U70 in Suchfeld eingeben - U70].

Die Erteilung der Freistellungsbescheinigung erfolgt in der Regel ca. 1-2 Monate nach Einreichung aller erforderlichen Unterlagen. Die Bescheinigung wird üblicherweise mit einer Gültigkeit von einem Jahr ausgestellt und kann auf Antrag verlängert werden. Um später leichter eine Verlängerung der Freistellung zu erhalten, empfiehlt es sich, die sog. Quartalsmeldungen, die Ihnen das Finanzamt schickt, stets ausgefüllt zurückzusenden.

Formulare und Merkblätter zum Steuerabzug bei Bauleistungen findet man u.a. auf der Webseite des Bayerischen Landesamt für Steuern unter www.finanzamt.bayern.de [Pfad: Formulare > Weitere Themen A-Z > Bauleistungen].

Definition Bauleistung
Alle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen.

Bsp. für Bauleistungen, für welche die Bauabzugssteuer einbehalten werden sollte sind die Errichtung von Gebäuden; Installations-, Elektro-, Verputz-, Dachdeckerarbeiten; Bauleistungen eines Subunternehmers an den Generalunternehmer (gilt auch für österr. Generalunternehmer) sowie die Herstellung, Anlieferung und der Einbau von Fertigteilen.

Nicht als Bauleistungen angesehen werden beispielsweise der Auf- und Abbau von Messeständen oder Bühnen; Architekturleistungen; Bauleitung; Planungs- und Vermessungsleistungen; Herstellung und bloße Anlieferung von Fertigteilen; Materiallieferungen für Baustellen; Gerüstbau; Fahrzeug- und Baumaschinengestellung; Speditionsleistungen; Bepflanzungs- und Baumschnittarbeiten. Für diese Art von Leistungen ist kein Steuerabzug zu erbringen.

Achtung: Beauftragt ein österr. Generalunternehmer einen Subunternehmer (z.B. aus Österreich) mit der Auftragsausführung in Deutschland und verfügt der Auftragnehmer über keine Freistellungsbescheinigung, muss die Bauabzugssteuer einbehalten und an das deutsche Finanzamt abgeführt werden.

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